BlogwahnsinnPlauderei

#SPbuch-Kalender Tag 15 – Kia Kahawa

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Dieser Beitrag entstand innerhalb der Aktion „#SPbuch-Kalender, Adventszeit mal anders“ und basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken, Interesse an den Autor*innen und selbst kreierten Fragen. Da innerhalb dieser Beitragsreihe Autor*innen (aus dem Selfpublish-Bereich) sowie Verkaufs- und Medienportale vorgestellt und verlinkt werden, sind wir leider dazu verpflichtet auf das Eingangswort hinzuweisen. Abmahnungen können wir uns als Freizeit-Bloggerinnen nicht leisten.

Herzlich Willkommen zum 15ten Türchen im Selfpublisher Kalender! Heute habe ich einen kleinen Beitrag mit der Kia. Es geht um Weihnachten, um ihren Protagonisten Adam aus „Hanovers Blind“, der uns zum Einstieg einen Aufsatz schickte und um die Selbstständigkeit. Ich wünsche ganz viel Spaß beim lesen! (:

Kia Kahawa hat im September mithilfe von Crowdfunding ihr zweites Buch im Selfpublishing herausgebracht. Die Wahl-Hannoveranerin ist seit Januar 2017 selbstständig und lebt vom Schreiben. Bisher schrieb sie Romane, in denen die Protagonisten ihre eigenen Antagonisten sind. Aktuell schlägt die Autorin neue Richtung ein und lässt ihre Bücher ab 2019 verlegen.

Wenn ich mal erwachsen bin
Meine Hausaufgabe ist es, einen Aufsatz darüber zu schreiben, wie Weihnachten wird, wenn ich erwachsen bin. Erst hatte ich keine Ahnung, wie ich mir Weihnachten in zehn Jahren vorstelle, aber mein Klavierlehrer hat gesagt, ich soll das Weihnachten von früher und das von heute aufschreiben. Dann würde ich schon auf die Idee kommen. Also fange ich jetzt an.
Ich bin Adam und ich habe mich schon immer auf Weihnachten gefreut. Es war ein Tag, an dem die ganze Familie Zeit hatte und zusammen war. Papa musste sonst immer arbeiten, sogar an Feiertagen. Aber Weihnachten war ein Feiertag, der sogar seinen Bossen wichtig war. Also wachte ich am 24. Dezember auf und wusste: Wir sind alle zusammen. Mama ist immer gut vorbereitet und hat die Einkäufe schon in der Woche davor erledigt. Deshalb ist auch sie nicht weg, und beschwert sich nicht über den Trubel in der Innenstadt.
Der Weihnachtsmann hat die Geschenke gebracht, als ich noch kleiner war. Es roch nach Kakao und Plätzchen, und meine Eltern haben mit mir Gesellschaftsspiele gespielt. Den ganzen Tag lang! Bis wir dann als Familie gekocht haben. Dabei durfte ich immer helfen, und am Ende hatten wir ein köstliches Menü. Ich durfte mir immer wünschen, was es zum Essen gab. Papa und Mama sagten mir, ich dürfe das aussuchen, weil ich das einzige Kind war, und sobald ich ein Geschwisterchen haben würde, dürften wir jedes Jahr abwechselnd entscheiden.
Aber inzwischen bin ich älter geworden, und ich weiß, dass ich nie ein Geschwisterchen haben werde. Ich habe es durch die Schlafzimmertür gehört, dass Mama über Monate geweint hat, nachdem sie schwanger war und kein Kind gekommen ist. Das passiert nie, haben meine Freunde in der Schule gesagt. Wenn eine Mama schwanger ist, ist ein Kind im Bauch. Nach neun Monaten kommt das Baby zur Welt und man ist plötzlich ein großer Bruder, haben sie gesagt. Aber ich weiß inzwischen, dass das nicht stimmt. Manchmal kommt kein Kind.
Heute weiß ich auch, dass ich das Essen nicht auswählen darf, weil ich das Kind bin und etwas zu sagen habe. Kinder dürfen eh nicht wirklich etwas entscheiden. Ich soll es tun, weil meine Eltern sich nicht einig werden. Mein Papa hasst Kartoffelsalat und meine Mutter isst keine Ente. Und auch keine Gans. Mama isst gar kein Fleisch. Das ist gesund, sagt sie, aber Papa sagt, ich muss trotzdem Fleisch essen. Weil er Fleisch ist und ein Mann ist, und aus mir soll auch einmal ein Mann werden, also esse ich, was ich bekomme.
Auch die Geschenke werden nicht mehr vom Weihnachtsmann gebracht. Vorletztes Jahr hat Mama noch welche mitgebracht, als sie uns besuchen kam. Aber als sie dann, als ich schon im Bett war, mit Papa geredet hat, ist Weihnachten kaputt gegangen. Sie sagen, ich bin nicht schuld, aber ich habe es gespürt. Und ein bisschen gelauscht. Es geht um meine blöde Krankheit. Ich brauche nicht nur eine Brille, sondern inzwischen auch so einen blöden Stock. In der Schule habe ich einen Mobilitätstrainer, damit ich mich orientieren lerne. Voll bescheuert. Ich weiß, wie die Schule aussieht. Wieso muss ich jetzt auch noch lernen, wie sie sich anfühlt? Meine Krankheit ist wie jede Woche Strafarbeit.
Seit dem Streit an diesem einen Weihnachten kommen mit der Post, sind tagelang unterwegs und schon Anfang Dezember im Haus. Papa tut so, als würde ich das nicht merken, aber ich bin doch nicht doof. Ich sehe in seinem Kleiderschrank, dass meine Geschenke von Mama und Oma da sind. So ist meine Mutter. Sie will auf keinen Fall, dass meine Geschenke zu spät kommen. Deshalb schickt sie sie schon im November. Letztes Jahr habe ich Papa am Telefon gehört, wie er mit Mama telefoniert hat. Sie wollte sicher gehen, ob er auch nett zu mir ist und ob es mir gut geht, und er hat bei jeder Antwort geseufzt. Als würde er etwas Schweres heben. Als wäre es eine Belastung, auch nur ein Wort mit Mama zu reden.
Ich verstehe Erwachsene nicht. Es geht bei Weihnachten darum, dass eine Familie zusammengehört. Und nur, weil meine Schwester oder mein Bruder, was auch immer es geworden wäre, nicht zur Welt gekommen ist, feiern wir jetzt nur noch zu zweit. Papa liest in der Zeitung, während ich Geschenke auspacke. Er hilft mir dann dabei, Spielzeug zusammenzubauen, und das ist mein Highlight am Weihnachtsabend. Denn ich weiß, ich werde ein Jahr allein spielen müssen, bis er wieder etwas mit mir zusammen macht.
Wenn ich erwachsen bin, will ich zurück nach Hannover. In Hannover war Weihnachten jedes Jahr gut. Erst in Cambridge ist alles kaputt gegangen. Erst in Cambridge bin ich krank geworden. Und in Hannover werde ich eine eigene Wohnung haben als Erwachsener, und dann müssen meine Eltern zu mir zu Besuch kommen, um Weihnachten zu feiern. Es gibt dann kein Schlafzimmer für sie, in dem sie streiten und weinen können. Ich werde erfolgreich und vielleicht sogar ein bisschen berühmt. Keiner wird sagen, dass ich etwas nicht kann, weil ich behindert bin. Und ich werde viele Freunde haben, die dann wie Brüder und Schwestern für mich sind. Dann wird Weihnachten wieder gut.

Jen: Hallo, liebe Kia. Eben haben wir einen Aufsatz von Adam lesen dürfen.Er schreibt, dass er sich schon immer auf Weihnachten freut, vor allem wenn er es später selbst in die Hand nehmen möchte. Wie sieht es bei dir aus? Ein Fan der großen Feiertage?

Kia: Hey Jen 🙂
Ich habe da eine Achterbahnfahrt hinter mir. Als ich noch in der Grundschule war, war Weihnachten mein absolutes Highlight des Jahres. Als ich dann älter wurde, wurde Weihnachten für mich schnell… na ja. Eher „solala“. Du musst wissen, ich habe am 24.12. Geburtstag und bei uns in der Familie wurde morgens um 9 der Schalter umgelegt „Geburtstag aus, Weihnachten an“. Daher hatte Weihnachten für mich schon immer etwas, das mich gewissermaßen untergebuttert hat. Dieses Jahr lasse ich Weihnachten zum ersten Mal ausfallen und feiere einfach nur Geburtstag.

Jen: Der Sinn an Weihnachten ging dir also mit der Zeit verloren – Adam sagt, es habe das „Zusammensein“ verloren. Dich hat es unterdrückt. Nun, Weihachten ausfallen zu lassen, was für hunderte Menschen in Deutschland dazu gehört muss ein unglaublich neues Gefühl sein. Wie geht es dir damit? Adam ist ja voller Hoffnung, und du?

Kia: Adam und mich kann man hier nicht vergleichen. Adams Weihnachten wurde durch ein Familiendrama zerstört und er wünscht sich die alte Zeit zurück. Bei mir bin ich es, die den Schritt selbst gewagt hat, um sich gewissermaßen zu befreien. Ich habe nicht den Wunsch, das alte Weihnachten zurück zu bekommen, sondern eher die Hoffnung, ein Neues zu kreieren. Ich fliege nach Barcelona und weiß nicht, was Weihnachten auf mich zukommt. Ich habe keine Traditionen. Aber ich freue mich darauf, neue zu erschaffen.

Jen: An Weihnachten in die Wärme, dass hab ich so auch noch nicht gehört. Du fliegst also nach Barcelona um neue Traditionen zu schaffen. Schließt das die anderen Feiertage mit ein oder Freunde, ähnlich wie bei Adam?

Kia: Ich fliege nicht direkt nach Barcelona, um neue Traditionen zu schaffen. Hauptsächlich möchte ich etwas anderes machen und völlig losgelöst sein von eingefahrenen Mustern. Tatsächlich ist es mir extrem wichtig, dass ich nichts plane und schaue, was passiert. Worauf ich an dem Tag wirklich Lust habe. Letztes Jahr hatte ich an Weihnachten wegen eines Trauerfalls schlechte Laune, aber weil es Tradition war, stieg bei mir trotzdem die große Party, obwohl ich nicht darum gebeten habe. Ich möchte einerseits ein Zeichen setzen und mein Leben sowie meine Feiertage selbst gestalten, und andererseits möchte ich für mich persönlich kennen lernen, was Weihnachten eigentlich ist. Daher fange ich bei Null an. Ohne Lametta. Ohne Geschenke. Ohne Familie. Was mir fehlt, kann ich im nächsten Jahr zurückholen und zur neuen (alten) Tradition machen.  Adam ist mir echt unähnlicher als ich dachte. Er will das Alte wiederholen und sich selbst beweisen. Da er den Aufsatz als Kind geschrieben hat, ist auch hier seine Vorstellung meiner Meinung nach etwas kindlich und unreif. Alte Zeiten kann man nicht zurückholen. Aber das ist vielleicht etwas zu düster für diesen Anlass heute 😀

Jen: Das klingt wirklich schön, dass du bereit bist diesen Schritt zu gehen. Es ist immer wichtig, seine eigenen Bedürfnisse zu beachten und diese auch umzusetzen. Alte Zeiten kann man nicht zurück holen, da geb ich dir recht, aber die kommenden umso schöner machen. Adam hat den Aufsatz als Kind geschrieben, wie denkst du, würde er jetzt zu seinem Weihnachten sagen, wo er sich in Hannover angekommen und sich eingelebt hat?

Kia: Ohne zu viel zu spoilern, kann ich sagen, dass er zufrieden ist. Adam macht in Hanover’s Blind eine Entwicklung durch, die ihn deutlich reifer werden und Glaubenssätze der Vergangenheit ablegen lässt. Sein Weihnachten ist nicht perfekt, da bin ich mir sicher, aber er empfindet zum ersten Mal Stolz auf sich selbst.

Jen: Auch das ist wirklich eine Freude. Demnach kann man sagen, dass ihr beide auf eine Zeit zu geht, in der ihr Stolz auf euch sein könnt. Genauso stolz kannst du auf die letzten Monate sein. Wenn ich das richtig, anhand deiner Tweets auf Twitter, mitbekommen habe, hat sich viel in deiner Selbstständigkeit getan?

Kia: Ja, das hast du richtig mitbekommen. Ich habe auf der Frankfurter Buchmesse einen neuen Kunden akquiriert, der mich in meinem Geschäftsmodell bestärkt. Weil es funktioniert und er begeistert ist. Außerdem komme ich relativ frisch aus einer langen, schweren Krise und habe meine Prioritäten schon im September neu geordnet. Ich habe schweren Herzens einige Projekte losgelassen und dafür Raum und Energie für Neues, was mich wirklich weiterbringt.

Jen: Das klingt aufregend. Wie lebt es sich so selbstständig? Ich kenne mich selbst und hätte wohl die Disziplin zu Hause überhaut nicht, die man wohl haben müsste um alles abzuarbeiten.

Kia: Es lebt sich sehr, sehr frei und glücklich. Aber auch chaotisch und überfordernd. Ich habe fast 18 Monate gebraucht, um mein Stundenpensum von 70 auf 40 Wochenstunden zu reduzieren. Und das halte ich noch nicht regelmäßig ein. Als Selbstständige wird man geführt von vielen Pseudo-Mentoren, die als Speaker, Vorbilder oder Coaches auftreten können. Sie sagen so Mist wie „arbeite selbst und ständig“ und „gebe jeden Tag 110 %“. Da habe ich drauf gehört und habe mich selbst in diesem Frühjahr kaputt gemacht. Trotz allem liebe ich mein Leben, seit ich selbstständig bin und möchte es nicht missen. Inklusive der Ängste, ob ich im nächsten Monat meine Miete zahlen kann und inklusive Arbeitszeiten von teilweise 6 bis 22 Uhr. Ich habe im Prinzip null Disziplin. Disziplin braucht man, wenn man etwas tun muss, was einen Überwindung kostet. Meine Selbstständigkeit fühlt sich an wie ein Abenteuer. Jeder Tag macht Spaß und hat einen Sinn. Es erfüllt mich mit purer Freude und ich musste mich noch nie überwinden, überhaupt zu arbeiten. Und wenn doch, dann mache ich gleich einen Tag frei und arbeite das nach, denn wenn ich nicht bei Laune bin, wird die Arbeit nicht gut, und meine Kunden kriegen immer 100 % Qualität. Nicht 110 %, aber auch nicht 90 %. 100 ist gut.

Jen: Alles in allem hast du ein aufregendes Leben mit der Selbstständigkeit gefunden und deinen Weg zu arbeiten, zu leben und frei zu sein. Ich finde es immer bereichernd, mich über das Leben und arbeiten andere auszutauschen, vor allem wenn man selbst jeden Tag in eine Einrichtung geht. Ich danke dir, für diesen kleinen Einblick in dein weihnachtliches Empfinden und das Gefühl der Selbstständigkeit, liebe Kia.

Kia: Gerne doch, hübsche Jen! (: 

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AUFGEPASST!

Bei unserem letzten Beitrag am 24.12.1018 rund um den #SPbuch-Kalender solltet Ihr bei KeJas-BlogBuch vorbeischauen, denn es warten noch Überraschungen auf Euch! Die sind unfassbar grandios und genüsslich! 

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