Blogwahnsinn

Interview mit E.F. von Hainwald

Photo by Debby Hudson on Unsplash

Es geht in die nächste Runde. Ich bin riesiger, riiiiiesiger Fan vom Gedankenreich Verlag und musste mir unbedingt von dort jemanden schnappen! Als erstes stellt sich nun Enrico meinen Fragen! Viel Spaß.

Let‘s do Smalltalk

1) Sei so nett und stellt dich vor. Wer bist du?

Ein unbequemer Leserherzenbrecher! Okay, jetzt im Ernst: wirklich! 😛 Zumindest, wenn man meine Leser fragt – einige wollten mich mit Fakel und Mistgabel jagen. xD
Ich bin Enrico und schreibe als E.F. von Hainwald Geschichten, die nicht so richtig irgendwo reinpassen wollen – dazu gehören auch Protagonisten, die Dinge erleben und Sachen entscheiden, die nicht unbedingt typisch sind. Keine großen Helden, wenn auch besondere Menschen, die versuchen nach besten Gewissen (okay, auch manchmal ohne dessen) klarzukommen. Settings, die sich fern und nah zugleich anfühlen.
Ich schreibe seit mehr als drei Jahren. Hauptberuflich bin ich Gestalter im visuellen Bereich, also buchstäblich alles, was man so sehen kann. Veröffentlicht habe ich zuerst zwei Jahre als Selfpublisher, seit über einem Jahr beim Gedankenreich Verlag.

2) Wir sind dieses Jahr erst mal auf keiner Messe, lass uns jedoch trotzdem drüber sprechen. Warst du schon mal auf einer? Wenn ja, erzähle mir doch mal von deiner ersten Buchmesse und der daraus resultierenden Erfahrungen! Wie fandest du sie und was hältst du von diesen Messen?

Schon vor meiner Schreibzeit habe ich die Leipziger Buchmesse besucht. Ich war zunächst einfach nur leseinteressierter Gast. Nach kurzer Zeit haben mich die Kostüme angesteckt und ich habe mich daran selbst probiert – ich wurde sogar in ein Cosplay-Kunstbuch aufgenommen und durfte über meine Basteleien berichten. Daher war es für mich klar, auch mit meinem ersten Buch dort damit vertreten zu sein.
Meine erste Messe als Autor war überwältigend – ich veröffentlichte über Bookrix und konnte sie überzeugen, mir auf der LBM eine Signierstunde am Stand des Selfpublisherverbandes zu geben. Im Schlepptau hatte ich das Covermodel meines Debüts »Geborene des Lichts«, passend im Gewand! Tatsächlich stieß mein Roman auf reges Interesse und ich konnte einiges verkaufen. Direkt danach hatte mich Denise vom Gedankenreich Verlag angesprochen (ich fiese Socke habe sie aber zunächst abblitzen lassen! xD).

3) Du bist Autor*in in einem Kleinverlag. Wie ist es dazu gekommen und warum hast du dich dafür entschieden? War das von Anfang an dein Ziel oder eine zufällige Entscheidung?

Ich hatte niemals Interesse an einem Verlag. BAM! 😛
Als Gestalter konnte ich mir als Autor alles selbst bieten – kostenlos! Cover, Illustration, Buchsatz, Ebookprogrammierung. Buchdruck war erschwinglich, nur ein Lektorat kostete mich Geld. Also wozu einen Teil meines Umsatzes jemanden geben, den ich nicht benötige?
Harte Worte, ich weiß – aber du musst verstehen, dass ich nie zwingend Erfolg mit der Schreiberei haben wollte. Es war eine niedliche Idee von Freunden, ich habe das einfach gemacht, weil ich Lust drauf hatte. Daher war für mich so etwas wie »Reichweite« völlig egal.
Denise vom Gedankenreich Verlag erwies sich nicht nur als hartnäckig, sondern auch als sympathisch, fair und passionierte Buchliebhaberin. Qualität steht bei ihr über Quantität. Fairness über dem reinen Geschäft. Ergo: wir freundeten uns schnell an. Nach einem Jahr schaffte sie es bereits, mit ihren Büchern in einen Vertrieb, und damit in den Buchhandel zu gelangen. Das ist so etwas wie die Kür eines Verlegers. Ich war beeindruckt – und jetzt bot sie mir auch das, was ich als Selfpublisher nicht erreichen konnte: Reichweite und einen Platz im Buchregal eines Händlers. Also wollte ich es mit »Cyberempathy« einfach mal ausprobieren.
Und was soll ich weiter sagen? Es lief super, ich konnte weiterhin das tun, was ich gern tue: Grafisch meine Sachen selbst Gestalten und Schreiben, was mir durch’s Hirn latscht, denn Denise’ Verlag steht für Geschichten abseits des Mainstreams.

4) Was gefällt dir besonders an der Arbeit in einem Kleinverlag?

Das Mitspracherecht in allen Dingen. Bei einem großen Verlag muss man vieles Abnicken. Wenn der Verlag sagt: nimm das Cover, dann musst du es fressen, höchstens ein paar Details kann man ändern lassen. Die Lektorate sind wohl auch viel aggressiver, bügeln das Buch mainstreamgerechter – und das wäre der Tod für mich!
Tatsächlich reizt mich ein großer Publikumsverlag überhaupt nicht, es sei denn, er kommt mir viel mehr entgegen, als normalerweise. Aber ich denke, das entspricht nicht ihrem Arbeitskonzept (was auch total legitim ist – no hate! Es gibt tolle Sachen dort!). Also leben und leben lassen.

5) Der deutsche Buchmarkt wird immer vielfältiger. Mit der verschiedenen Auswahl an Kleinverlage und den neuen Ableger in Großverlagen passiert einiges. Was hältst du von der Entwicklung und was wünscht du dir, dass noch im deutschen Buchmarkt passiert?

Um ehrlich zu sein, beobachte ich das Gegenteil. Seit der KNV-pleite und den Verkleinerungen von Libri fliegen Kleinverlage aus den Buchläden. Die Großen und ihre Ableger bleiben. Natürlich ist das marktwirtschaftlich logisch – Mainstream verkauft sich sicherer und umsatzträchtiger.
Dadurch sinkt die Diversität jedoch enorm! Als ich im Thalia vor Weihnachten war, um meinem Vater zwei Bücher zu kaufen, ging ich mit leeren Händen hinaus. Vor zwei Jahren wollte ich noch den gesamten Laden mitnehmen, nun: nichts! Buchempfehlungen, die ich Lesern gebe, sind nur noch als »Antiquität« zu haben, nicht mal als E-Book! 🙁
Daher denke ich, Literatur abseits der Masse wird sich zunehmend nur auf Messen und online finden. Das ist einerseits schade, denn die Reichweite schrumpft stark, andererseits gut, denn so bleibt mehr Umsatz bei Verlagen und Autoren hängen. Leser müssen jedoch nun wesentlich aktiver via Blogs, Buchartikeln oder sozialen Medien nach Büchern Ausschau halten, wenn sie etwas Andersartiges wollen. Das ist allerdings »Arbeit« und der Leser hat sich an den Komfort des Amazon-Klicks gewöhnt.
Daher wünsche ich mir, dass eine alternative Struktur entsteht – ein Netzwerk und Läden, welche sich diesen Geschichten widmen, gern auch mit ganz vielen tollen Selfpublishern! <3 Dafür heißt es jedoch: Gemeinsam erreichen wir mehr! Noch sehen sich leider viele weiterhin als Konkurrenz. Der Ausfall der LBM hat vielleicht in den Köpfen schon etwas bewegt, denn nun beginnt man, mehr zusammen zu arbeiten.

6) Nicht nur der Buchmarkt verändert sich, auch die Leserschaft macht eine Wandlung durch. Sie mögen es, wenn sie Wissen wer das Buch geschrieben hat, welches sie aktuell lesen und lieben. Wie stehst du dazu und was empfindest du dabei, dass Leserschaft und AutorInnen immer näher rücken?

Zum größten Teil finde ich das mega gut! Der persönliche Kontakt motiviert mich enorm und ermutigt die Leser, auch ein paar Worte als Bewertung in die Shops zu setzen – was für kleine Autoren sehr wichtig ist. So sind bei mir schon tolle Online-Freundschaften entstanden und in Zeiten, bei denen ich ausgebrannt und down bin, gibt es mir neue Kraft, wenn ich von Lesern Feedback zu meine Geschichten bekomme. Außerdem hilft dieser Kontakt, dass  wir Randgrüppchen nicht ganz übersehen werden, denn wir können oft mit der Sichtbarkeit der Großen nicht mithalten.

Let’s have fun!

7) Was war dein witzigster Verschreiber in einem Manuskript?

Er trat ihnen in die Poperze. Frau Lektorin fand es interessant, wie mein Protagonist es schafft, jemanden  nicht nur in den Arsch, sondern direkt ins Loch zu treten. Hey, künstlerische Freiheit! 😀

8) Dank dem 21. Jahrhundert erleben wir viel Marketing für Bücher im realen Leben und auf Social – Media, dementsprechend gibt es immer wieder Begegnungen mit Kolleg*innen und Lesern…  welche Anekdoten ergeben sich daraus, an denen du dich gerne erinnerst?

Also: Ich hasse Romance. Okay, nicht wörtlich – ist als Leser (!) nur überhaupt nicht mein Ding. Das wissen meine Leser (und reiben mir, wenn es Romance-Aspekte in meinen Büchern gibt, diese genüsslich unter die Nase).
Ich kenne natürlich viele AutorInnen, die sich dem Genre widmen. Und obwohl sie wissen, dass ich ihre Bücher niemals lesen würde, verstehen wir uns prächtig! Der Humor von vielen Romance-AutorInnen ist nämlich meistens genau meiner: etwas derb, bisschen anzüglich, ein klein wenig böse. Also arten Begegnungen auf Buchmessen meist in großem, gemeinsamen Gelächter aus. Chats können plötzliche Roman-Plott-Konstrukte werden, die in absolut absurden Situationen münden.
Es ist total schön, dass man sich gut verstehen kann, auch wenn der Grundgeschmack völlig verschieden ist! Jedem das seine. 🙂

9) Hast du seltsame oder witzige Angewohnheiten in deinem Autor*innen – Leben?

Es ist nicht seltsam nebenher innerhalb von zwei Stunden drei Tafeln Schokolade zu fressen.

EXTRA: Foto – Mission! :3

10) Stelle deinen liebsten Protagonisten dar!

11) Präsentiere dein Buch mal anders.

12) Deine beste Eigenschaft?

Sehr viel Geduld.

13) Was machst du neben dem Schreiben sehr gerne?

Reisen & Fotografieren.

14) Worauf bist du besonders stolz?

Ich kann von meiner Kreativität leben!

Ich denke nun hat Enrico eine ganze Menge erzählt! Für mich war das richtig spannend, weil ich einige Sachen, wie zum Beispiel der Verkauf im Handel, bei mir zu Hause anders wahrgenommen habe. Und da er das so wirklich wunderbar gemacht hat und mit spannenden und aufschlussreichen Antworten her kam finde ich könnt ihr mal bei ihm vorbei schauen:

Vielen Dank fürs Lesen und ich wünsche einen schönen Tag!

Titelbild: Photo by Debby Hudson on Unsplash

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