#52Wochen52Menschen: KW45 – Mila Bagrat – Tag 1

#52Wochen52Menschen: KW45 – Mila Bagrat – Tag 1

Dezember 1, 2021 2 Von jenlovetoread

Wer bist du?

Herzlich willkommen in meiner Welt – ich bin Mila Bagrat, eine Dolmetscherin, Schriftstellerin und Illustratorin und ich komme aus dem Norden. Wenn ihr dabei an Deutschlands Norden denkt, sagen wir mal, Flensburg, dann muss ich euch enttäuschen – für da, wo ich herkomme, ist Flensburg fast tropischer Süden. (:

Dänemark? Schweden? Immer noch zu südlich für mich! Jetzt wird es spannend. Ihr greift zur Karte, der Blick fest auf den Nordpol gerichtet. Norwegen, nö? Wie wäre es mit Island? Fehlanzeige! Immer noch nicht nördlich genug für mich! Das frostige Rekjavik liegt ganze 5 Grad südlicher von meiner Stadt entfernt.

Jetzt verzweifelt ihr förmlich und sucht das gesamte Nordpolarmeer ab. Die letzte Chance… Ähm… Grönland? Ein mitleidiges Lächeln meinerseits. Die Hauptstadt Grönlands Nuuk liegt immer noch viel zu südlich für mich. Und wohl bemerkt, ich bin auf keiner Forschungsstation aufgewachsen, in keinem winzigen Fischerdorf am Eismeer. Nein, ich bin ein Kind der Großstadt – mit fast 200.000 Einwohnern, einem eigenen Flughafen, mehreren Schulen und Krankenhäusern, einem Theater, zwei Kinotheatern und allen dazugehörenden Sehenswürdigkeiten. Die Stadt meiner Kindheit liegt auf dem 69 Breitengrad Nord und ist hiermit die nördlichste Stadt der Welt! Jetzt noch schnell googlen und dann wisst ihr Bescheid, es ist Norilsk und liegt in Russland.

Also bestand meine Kindheit hauptsächlich aus Schnee, aber so was von jeder Menge Schnee! Und Winter und Kälte und Nacht, nämlich Polarnacht, die längste Nacht der Welt – bei uns dauerte sie sage und schreibe 45 Tage und Nächte lang!

Kälte unter – 50° C und Dunkelheit – brrrr, das klingt verdammt hart, denkt ihr. Aber glaubt mir, so war es nicht. Als Kind liebte ich die Polarnacht, denn die Stadt war immer wunderschön bunt beleuchtet, wie zu Weihnachten. Und wisst ihr was es noch gab? Polarlichter! Sie waren für mich nichts besonderes, ich sah sie so oft, wie ihr vielleicht den Regenbogen, man ist schon begeistert von der Himmelsshow, aber man fällt jetzt nicht gleich in Ohnmacht vor Schock oder? Und dann gab es noch Eisbären und Polarfüchse, Schneehasen und Schneeeulen. Alle Tiere, die ich dort oben sah, waren irgendwie mit Schnee- , Polar- oder Eis-  im Namen versehen. Außer Rentiere. Von denen gab es ganze Herden und sie hatten kein Polar-Superlativ im Namen und waren bei weitem nicht so schneeweiß, wie alle andere Tiere, sondern eher so… cappuccino-beige-farben.

Kein Wunder, dass ich als ein großer Fantasy-Fan aufgewachsen bin, denn meine Kindheit war ja auch ziemlich fantastisch. Als ich früher „Der goldene Kompass“ von Ph. Pullman las, fühlte ich mich in diesem Buch wie zu Hause und wenn ich jetzt einen Nordic Thriller schaue, fühle ich mich wie zu Hause – Norwegen, Schweden, Island, das ist meine Welt. Warum? Wir sagen es so – einmal Nordmensch immer Nordmensch!

Doch meine Heimat habe ich hier in Deutschland gefunden und lebe schon seit Ewigkeiten hier – in dem wohl unbekanntesten Dorf Deutschlands in der Nähe von der wunderschönen Stadt Trier. Nach dem Studium der Germanistik arbeite ich als Übersetzerin für Deutsch / Englisch / Spanisch / Russisch / Ukrainisch. Bereits 2001 schrieb ich meinen ersten Roman im Genre Mystisches Drama, der in meinem Geburtsland in einem Literaturwettbewerb ausgezeichnet wurde und viele positive Kritiken erhielt.

2020 erschien mein erstes deutsches Buch bei Amazon – „Der Archivar“, eine Urban-Fantasy für Kinder und Erwachsene mit dem Handlungsort Berlin. Dieses Buch bildet den Auftakt zu einer Reihe von Büchern unter dem Projektnamen „Magisches Deutschland“, die inhaltlich zwar nicht direkt miteinander verbunden sind, aber in einem ähnlichen erkennbaren Stil gestaltet werden. Die Handlung von jedem Buch geschieht jeweils in einer anderen deutschen Stadt, was den Lesern nah bringt, dass große Abenteuer nicht nur in den fernen Ländern möglich sind und dass auch der vertraute Alltag jede Menge Zauber in sich bergen kann.

Denn eins hat mich meine Kindheit gelehrt – Wunder passieren überall, man muss sie nur erkennen!


Hier ist Mila zu finden: